Projekt zur Neu-Edition des Totenbuches

Textbeispiel aus den Synopsen

Synoptische Textausgabe nach Quellen des Neuen Reiches

(ein Gemeinschaftsprojekt von Günther Lapp und Barbara Lüscher)

Die bis heute einzige gesamthafte synoptische Totenbuch-Ausgabe durch den Begründer der Schweizer Ägyptologie Edouard Naville, Das aegyptische Todtenbuch der XVIII. bis XX. Dynastie (3 Bde., Berlin 1886)ist inzwischen sehr veraltet und bietet die Quellen zudem in einem unvollständigen und oftmals fehlerhaften Bestand. Obwohl in den letzten Jahrzehnten das wissenschaftliche Interesse am Toten­buch einen grossen Aufschwung erlebt hat und in jüngerer Vergangenheit eine ganze Reihe wichtiger Textzeugen in Einzel-Publikationen vorgelegt worden sind, ist doch der Grossteil des Materials noch immer unpubliziert und steht somit für die wissenschaftliche Auswertung nicht oder nur sehr bedingt zur Verfügung – ganz zu schweigen von dem drohenden Zerfall der Originale. Zudem erlaubt Naville’s alte Ausgabe, die in der Regel nur die jeweiligen Abweichungen zu einer Leitversion angibt, keine genauere Überprüfung der einzelnen Quellen. Auch Angaben zu Rubra oder die Berücksichtigung der exakten Zeichenstellung fehlen. Gleichzeitig hat sich die Textbasis seit Naville’s Zeit für praktisch alle der inzwischen rund 200 bekannten Totenbuch-Sprüche vervielfacht.

Wie sich am Beispiel der älteren religiösen Textkorpora der Pyramidentexte und Sargtexte deutlich gezeigt hat, wurden diese erst durch handliche synoptische Ausgaben auch auf breiterer Basis in Lehre und Forschung rezipiert, erschliesst sich allmählich deren Tradierungsgeschichte und wird eine eingehendere religions- und sprachwissenschaftliche Beschäftigung überhaupt erst möglich. 

Diese Lücke wird durch unser Editionsprojekt nach und nach geschlossen werden. In der neu geschaffenen Reihe TbT (Totenbuchtexte) sind innerhalb weniger Jahre bereits mehrere Bände erschienen (herausgegeben im Orientverlag G. Lapp), weitere sind in Druck oder Vorbereitung. Dabei werden die Texte im Gegensatz zu Naville in vollständiger Synopse und unter Berücksichtigung der ver­schie­denen Textträger (Papyri, Leichentücher, Grabwände, Objekte der Grabausstattung) in möglichst originaler Zeichenorientierung und mit Angabe etwaiger Rubra wiedergegeben. Zur optimalen Wiedergabe der Texte wurde von Günther Lapp zu Projekt-Beginn ein eigenes PC-Schreibprogramm entwickelt (VisualGlyph 2.0), was einerseits ein einheitliches Erscheinungsbild garantiert und zudem die Schreib­geschwindigkeit im Gegensatz zu Handabschriften erheblich erhöht.

Selbstverständlich muss parallel dazu die Herausgabe von Einzel-Handschriften wie auch die Untersuchung von Einzel-Sprüchen oder Spruchgruppen ebenso vorangetrieben werden.

Kontakt: Dr. Barbara Lüscher, b.luescher-at-sunrise.ch (oder: g.lapp@orientverlag.ch)